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Mit smarter Diagnose allzeit bereit – Smartphone wird Bestandteil eines standardisierten Diagnosesystems

In der Fahrzeugdiagnose hat sich in den letzten Jahren viel getan, vor allem wurden Standards eingeführt und Prozesse angepasst. Gleichzeitig erleben wir eine Performance-Revolution: Eine aktuelles Smartphone ist leistungsfähiger als vor wenigen Jahren der Desktop-PC. Die Kombination aus Diagnose und Smartphone verspricht völlig neue Möglichkeiten.

Das Smartphone wird Bestandteil eines standardisierten Diagnosesystems.
In der Fahrzeugdiagnose hat sich in den letzten Jahren viel getan, vor allem wurden Standards eingeführt und Prozesse angepasst. Gleichzeitig erleben wir eine Performance-Revolution: Eine aktuelles Smartphone ist leistungsfähiger als vor wenigen Jahren der Desktop-PC. Die Kombination aus Diagnose und Smartphone verspricht völlig neue Möglichkeiten. Das Smartphone wird Bestandteil eines standardisierten Diagnosesystems. Smartphones sind aus dem täglichen Leben nicht mehr wegzudenken. Sie integrieren eine Vielzahl von Funktionen, die vor kurzem noch durch viele Geräte möglich wurden oder analog funktionierten.  Neben dem Telefonieren erlauben Smartphones das Fotografieren, sie ersetzen den MP3-Player, das Navigationssystem und die Uhr. Der Kalender wird auf dem Telefon gepflegt, Emails und Notizen geschrieben, Zeitung gelesen und die Einkäufe erledigt. Für all das und vieles mehr finden sich in den App-Shops bei Google oder Apple weit über eine Million mehr oder weniger nützliche Anwendungen. Als Betriebssysteme haben sich Android und iOS weitestgehend durchgesetzt, wobei im Geschäftsumfeld Windows nicht abgeschrieben werden sollte, da es hier durch die Integration in die Desktop-Welt Vorteile bieten kann.

Funktionsvielfalt in der Hosentasche
Schon die normalen Leistungsdaten sind beeindruckend: Vierkern-Prozessor mit 2,5 Gigahertz Systemtakt, 2 Gigabyte Arbeitsspeicher, ein interner Speicher von 32 Gigabyte. Das Ganze findet sich in einem Gehäuse mit einem Gewicht von 150 Gramm – also etwa 1,5 Tafeln Schokolade. Darin enthalten sind zahllose Schnittstellen zum Anwender und in die Umwelt sowie eine Vielzahl von Sensoren und Funktionen, die die Anwendungsvielfalt erst möglich machen. Der Bildschirm dient der Darstellung sowie der Eingabe und kann bezüglich der Darstellung über einen microHDMI Stecker erweitert werden. Es sind ein Mikrofon und mehrere Lautsprecher vorhanden, auch hier ist eine Erweiterung über eine Klinkenbuchse möglich. Die Verbindung in die Umwelt erfolgt über 4G/LTE, WLAN oder Bluetooth, Datenverbindungen können auch über USB erfolgen und der interne Speicher über einen microSD- Slot erweitert werden. Dazu sind mehrere Kameras inklusive Beleuchtung über LED sowie ein GPS-Sensor zur Positionsbestimmung vorhanden. Ergänzt wird dies durch zahlreiche Sensoren, zum Beispiel Lage-, Beschleunigungs-, Helligkeits- und Infrarotsensoren sowie Hygro-, Baro- und Magnetometer.

Moderne Diagnosesysteme
Diagnosesysteme haben heute ein sehr breites Einsatzspektrum. Sie kommen nicht nur bei der Entwicklung von Steuergeräten zum Einsatz, auch beim Test von Fahrzeugfunktionen sind sie heute unabdingbar. Die Diagnosefunktion selbst muss ebenfalls genauestens abgesichert werden, schließlich lässt sich heute ohne Diagnose weder ein Fahrzeug produzieren, noch im Fehlerfall in der Werkstatt der Fehler lokalisieren und schlussendlich reparieren. Damit diese Vielzahl an Anwendungsfällen effizient und mit hoher Qualität bedient werden können, kommt heute in der Regel ein standardisiertes Diagnosesystem zum Einsatz. Die Anbindung an die Fahrzeugschnittstelle (VCI: Vehicle Communication Interface) erfolgt über die D-PDU API. Die Diagnosespezifikation liegt als ODX-Datei in einem standardisierten Format vor und kann vom D-Server direkt verarbeitet werden. Das Format für Testabläufe und Diagnoseroutinen ist ebenfalls standardisiert (OTX) und ermöglicht über die OTX run time eine Wiederverwendung in beliebigen Werkzeugen. Die Bedienung und Darstellung dieser Werkzeuge wird jeweils passend zum Anwendungsfall entwickelt.

Neue Anwendungsfälle
Bringt man das standardisierte Diagnosesystem nun auf ein Smartphone und ergänzt eine der Bedienung und Bildschirmgröße angemessene Anwendung, ergeben sich sofort zahlreiche neue Möglichkeiten. Zunächst einmal ist eine Diagnose am Fahrzeug jetzt quasi immer möglich, schließlich ist auch das Smartphone stets dabei – Stichwort Hosentaschentester. Ergänzt man in der Applikation den Zugang zu Telefon und Datenübertragung, erreicht man eine neue Stufe. Der Diagnoseexperte kann in vielen Fällen im Büro bleiben und mit dem Anwender am Fahrzeug verbal kommunizieren und Ergebnisse und Testroutinen nach Bedarf austauschen. Das Telefon ermöglicht dies auf dem Werksgelände, aber auch auf Versuchsfahrten weltweit. Auf diesen Fahrten ist auch eine günstige Datenlogger-Funktion möglich. Die Aufzeichnung von (Mess-)Daten erfolgt permanent oder ereignisgesteuert auf dem Smartphone. Die Daten werden in Pausen problemlos auf Server gespielt. Ein solches Szenario ist auch in der Werkstatt mit Kundenfahrzeugen möglich. Der Kunde behält dabei durch die Steuerung auf dem Telefon jederzeit die Kontrolle über die Daten. In die Zukunft gedacht Die Anbindung weiterer Handy-Funktionen an die Diagnose eröffnet zahllose weitere Anwendungsfelder. In der Fahrerprobung müssen beispielsweise bestimmte Fahrprofile beziehungsweise Fahrzustände getestet werden. Diese können von einem Prüfleiter anhand eines Navigationswerkzeugs vorgegeben werden. Dazu werden Fahrstrecken, Anweisungen an den Fahrer und notwendige Überprüfungsmethoden sowie Testroutinen in einer Datenbasis hinterlegt. Diese wird auf ein Smartphone oder Tablet geladen. Der Testfahrer fährt anschließend die vorgegebenen Routen ab. Dazu werden im Smartphone Karten und zugehörige Anweisungen dargestellt, die Prüfung und Dokumentation erfolgt automatisch anhand der GPS-Daten und passend hinterlegter Diagnoseabläufe. In gleicher Weise können weitere Handy-Funktionen, beispielsweise die Kamera, integriert werden. Ein standardisiertes Diagnosesystem auf einem Smartphone ist heute verfügbar.

Eine Integration in die beschriebenen Anwendungsfälle stellt dadurch kein großes Hindernis mehr dar. Die Anbindung an unternehmensinterne Server zur gesicherten Datenübertragung muss jedoch jeweils im Einzelfall gelöst werden. Die möglichen Qualitäts- und Effizienzsteigerungen durch das erweiterte mobile Einsatzspektrum machen diesen Aufwand jedoch mit Leichtigkeit wett.

Der Autor Markus Steffelbauer leitet das Produktmanagement bei der Softing Automotive Electronics GmbH.

Der Beitrag erschien erstmalig beim Hanser Verlag München – OEM Supplier 2015, Bereich Forschung und Entwicklung.Und kann hier als PDF geladen werden.

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